

NIERENTRANSPLANTATION
22
Aufgrund der verbesserten medizini-
schen Versorgung leben inzwischen
viele Menschen sogar mehr als 30 Jahre
mit ihrem ersten Nierentransplantat.
Lässt die Leistungsfähigkeit der
transplantierten Niere nach, ist der
Umstieg auf ein Dialyseverfahren oder
die Transplantation eines weiteren
Spenderorgans notwendig.
Die Abstoßungsreaktion
Das Risiko einer Organabstoßung
besteht bei jeder Transplantation. Als
Abstoßungsreaktion bezeichnet man
Abwehrreaktionen des Körpers gegen
das fremde Organ. Dabei wird die
Spenderniere von den Lymphozyten,
einer Untergruppe der weißen Blutkör-
perchen, als fremdes Gewebe erkannt.
Die Lymphozyten befinden sich in der
Blutbahn, in den Lymphknoten und
der Milz. Erkennen sie das neue Organ
als fremd, verursachen sie im Spender-
organ eine Entzündung, die zu seiner
Abstoßung führt. Um dies zu verhin-
dern, muss das körpereigene Immun-
system so weit unterdrückt werden,
dass eine Abstoßung der neuen Niere
verhindert wird.
Lebenswichtige Tabletten
Einige der größten Fortschritte in der
modernen Transplantationsmedizin sind
der Entwicklung hochwirksamer
Immunsuppressiva zu verdanken. Diese
Arzneimittel unterdrücken die Abwehr-
reaktion des Körpers gegen das neue
Organ und müssen lebenslang einge-
nommen werden. Häufig eingesetzte
Präparate sind beispielsweise Cyclo-
sporin, Tacrolimus, Mycophenolsäure,
Kortisonpräparate oder spezifische
Antikörper wie Basiliximab und ATG.
Ihre verschiedenen Wirkstoffe hemmen
die Funktion des Immunsystems an
unterschiedlichen Stellen. Gerade am
Anfang der Therapie macht man sich
dies zunutze und setzt mehrere Mittel
gleichzeitig ein. Der Vorteil einer
Kombinationstherapie: Die einzelnen
INFO
Zeichen der Abwehr
Häufig verläuft eine Organabstoßung
lange Zeit ohne Beschwerden. Sie
kann sich aber auch schon früh
bemerkbar machen durch:
•
Anstieg des Blutdrucks
•
Müdigkeit, Abgeschlagenheit,
schlechtes Allgemeinbefinden
•
Fieber
•
Abnahme der Urinmenge, bei
gleichzeitigem Anstieg des
Körpergewichts
•
Wassereinlagerung in Beinen und
Rücken