Neues Zentrum am Klinikum St. Georg bietet innovative und minimal-invasive Therapien bei Volkskrankheit Reflux
In Deutschland leidet nahezu jeder fünfte Erwachsene an der gastroösophagealen Refluxerkrankung (GERD), einer Volkskrankheit, die nicht nur Beschwerden wie Sodbrennen und saures Aufstoßen, sondern auch Symptome außerhalb des Magen-Darm-Traktes wie chronischen Husten, Heiserkeit und Druckgefühle in der Brust verursachen kann. Das neue Reflux- und Speiseröhrenzentrum am Klinikum St. Georg bietet nun hochspezialisierte Diagnostik- und Therapieansätze für Patienten mit fortgeschrittenen Befunden, etwa bei großer Hiatushernie, Mengenreflux oder einer Unverträglichkeit gegenüber medikamentöser Therapie. „Die gastroösophageale Refluxerkrankung ist eng verbunden mit den typischen Lebensgewohnheiten einer Industrienation: Übergewicht, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Stress sowie der Konsum von Tabak und Alkohol begünstigen den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre. Wird dieser Zustand nicht ausreichend behandelt, kann es zu einer chronischen Schleimhautentzündung, Barrett-Metaplasie und langfristig sogar zu einem Speiseröhrenkrebs kommen. Unser Reflux-Zentrum bietet Patienten mit fortgeschrittenen Refluxbeschwerden eine spezialisierte, sichere und minimal-invasive Therapie und moderne Behandlung dieser weit verbreiteten Erkrankung“, erklärt PD Dr. med. Boris Jansen-Winkeln, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Sodbrennen entsteht durch aus dem Magen in die Speiseröhre zurücklaufende Magensäure. Durch andauernden Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre kann sich dort Schleimhaut entzünden und bei lange andauernder Entzündung verändern (sog. Barrett- Schleimhaut) und im weiteren Verlauf kann dadurch ein Speiseröhrenkrebs entstehen. Der Reflux wird dadurch begünstigt, dass der Durchtritt von der Speiseröhre durch das Zwerchfell erweitert ist und eine sogenannte „Hiatushernie“ vorliegt. Hier kann ein Teil vom Magen in den Brustkorb rutschen – im Extremfall fast der ganze Magen. Dann funktioniert der Schließmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen nicht mehr. Heutzutage ist das Sodbrennen durch Medikamente sehr gut behandelbar – die Produktion der Magensäure wird einfach blockiert und schon kann keine Säure mehr die Speiseröhre verärgern. Ohne Medikamente sollen die Faktoren, die die Säurebildung begünstigen, vermieden werden. Hierzu zählen Stress, Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht und viele andere „Lifestyle“- Faktoren.
Spezialisierte Diagnostik und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Im Zentrum steht eine umfassende Diagnostik, die bereits vor der Vorstellung in der spezialisierten Sprechstunde beginnt. Patienten werden gebeten, alle relevanten Befunde, insbesondere das Ergebnis der Gastroskopie, mitzubringen oder im Vorfeld per E-Mail zuzusenden. Ergänzt wird dies durch modernste Untersuchungsmethoden wie einer präzisen Messung der Säurebelastung in der Speiseröhre, die Erfassung der Druckverhältnisse und Bewegungsabläufe der Speiseröhre sowie einer Endosonographie und radiologischen Spezialuntersuchungen zur detaillierten Darstellung der anatomischen Verhältnisse.
Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Fachbereichen der Gastroenterologie, Hals-, Nasen-, Ohren Heilkunde, Radiologie, Ernährungsmedizin und Pathologie ist entscheidend, um eine umfassende Diagnostik und optimale Therapie zu gewährleisten. So spielt die Gastroenterologie insbesondere bei der Durchführung und Interpretation endoskopischer und funktioneller Untersuchungen eine zentrale Rolle und die Pathologie unterstützt durch die genaue histologische Analyse von Biopsien, etwa bei der Diagnose einer Barrett-Schleimhaut oder zur Früherkennung von Krebsvorstufen. Spezialisierte Ernährungstherapeuten begleiten die Patienten zusätzlich bei der Anpassung ihrer Ernährung, um Beschwerden zu lindern und den langfristigen Therapieerfolg zu sichern.
Innovative Therapieansätze: minimal-invasiv und individuell
Bei Patienten, die unter den Folgen einer fortgeschrittenen GERD leiden, kann eine Operation eine sinnvolle Alternative zur dauerhaften medikamentösen Therapie darstellen. Das Reflux-Zentrum bietet verschiedene, individuelle operative Verfahren an: In erster Linie die laparoskopische Hemifundoplikatio nach Toupet mit Hiatoplastik oder auch eine Magnetbandimplantation Die Behandlung der Refluxerkrankung erfolgt interdisziplinär im Zusammenspiel von Gastroenterologen und erfahrenen Chirurgen. Patienten, die bereits einen medikamentösen Therapieversuch hinter sich haben, können in einer in einer speziellen Sprechstunde individuell beraten werden. Eine Ausnahme bilden Fälle mit großer Hiatushernie oder einem Thoraxmagen, wo direkt eine Operationsindikation besteht.
Reflux-Sprechstunde
montags 12 bis 16 Uhr
Ambulanzzentrum, Haus 61
Termine für die Sprechstunde erhalten Sie über Doctolib oder telefonisch unter: 0341 -909 2200
Patienten werden gebeten, den Befund der Gastroskopie zur Sprechstunde mitzubringen.