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03.01.2025 12:02

Nachruf auf Dr. Thomas Raff

14.03.1949 – 05.12.2024
Chefarzt der Klinik für Plastische und Handchirurgie mit Schwerbrandverletztenzentrum, 1998–2013

Das Klinikum St. Georg erinnert an einen herausragenden Mediziner, engagierten Leiter und bescheidenen Wegbereiter der modernen Verbrennungschirurgie.

Wegbereiter für Schwerstbrandverletzte

Als Chefarzt der Klinik für Plastische und Handchirurgie mit Schwerbrandverletztenzentrum führte Dr. Raff das 1998 neu eröffnete Brandverletztenzentrum (BVZ) des Klinikums zu einem der größten und renommiertesten Zentren Deutschlands für die Versorgung Schwerstbrandverletzter. Mit seinem fachlichen Weitblick und seiner kooperativen Arbeitsweise legte er den Grundstein für ein erfolgreiches interdisziplinäres Konzept. Die Leitung zwischen Chirurgen und Intensivmedizinern funktionierte unter seiner Ägide stets auf Augenhöhe – einer Arbeitsweise, die bis heute fortgeführt wird und von der die Patienten nachhaltig profitieren.

Ein Chirurg mit Leidenschaft

Dr. Raff, der zuvor als leitender Oberarzt in der renommierten BG Klinik Ludwigshafen wertvolle Erfahrungen gesammelt hatte, war ein „Chirurg mit Leib und Seele“, erinnert sich PD Dr. Jochen Gille, leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Schmerztherapie im Brandverletztenzentrum. „Verbrennungschirurgie war seine Leidenschaft. Er führte die Lappenchirurgie in die klinische Routine unseres Krankenhauses ein, stand oft acht bis zehn Stunden im OP und war täglich im Verbrennungs-OP sowie auf Visite bei seinen Patienten zu finden.“ Sein Engagement prägte den Fachbereich nachhaltig und setzte neue Maßstäbe in der Versorgung.

Bescheidenheit und Fachkompetenz

Dr. Raff scheute das Rampenlicht und war dennoch stets ein „Mann der Wissenschaft“. Fachlich hochkompetent und belesen, war er für seine Kolleginnen und Kollegen immer ein verlässlicher Ansprechpartner. Trotz seiner Führungsrolle blieb er bescheiden und stellte stets das Wohl der Patienten und die Arbeit seines Teams in den Vordergrund. Im Bereich der Plastischen und Handchirurgie war die Klinik um 2010 die einzige in Sachsen, die das Spektrum aus rekonstruktiver Chirurgie inklusive Mikrochirurgie, die gesamte Handchirurgie, die Ästhetische Chirurgie sowie Verbrennungschirurgie, mit allen Arten von Lappenplastiken und mikrochirurgischen Gewebetransfer anbot. Innerhalb des Traumazentrums bestehen seitdem enge Kooperationen mit allen beteiligten Kliniken, um eine effektive Versorgung von Mehrfachverletzten zu ermöglichen. Zur besseren Versorgung von Problemwunden wurde das Wundzentrum gegründet.

Ein bleibendes Vermächtnis

Dr. Raffs Engagement reichte weit über den OP-Saal hinaus. Unter seiner Leitung wurden die Grenzen der Behandlungsmöglichkeiten erweitert, sodass auch Patienten mit einem Verbrennungsausmaß über 30 Prozent der Körperoberfläche versorgt werden konnten. Sein interdisziplinäres Konzept und die enge Zusammenarbeit von Plastischer Chirurgie und Intensivmedizin prägen das BVZ bis heute.

„Das Schwerbrandverletztenzentrum am Klinikum St. Georg ist bis heute eines der größten und leistungsstärksten Zentren in Deutschland. Unter der Leitung von Dr. Thomas Raff wurde das Zentrum zu einer Institution, die weit über die Region hinaus bekannt ist. Der interdisziplinäre Ansatz, der unter Dr. Raff eingeführt wurde, wird nach wie vorgelebt und stellt sicher, dass Patientinnen und Patienten auf höchstem Niveau behandelt werden können. Die lange Tradition und die visionäre Weiterentwicklung machen das BVZ zu einer unverzichtbaren Einrichtung in der deutschen Verbrennungsmedizin“, erklärt Prof. Dr. Thomas Kremer, Chefarzt der Klinik für Plastische und Handchirurgie mit Schwerbrandverletztenzentrum am Klinikum St. Georg.

Bei seinem Rentenbeginn 2013 verließ Dr. Thomas Raff nicht nur eine Klinik, die seinem hohen Standard bis heute folgt, sondern auch Kolleginnen und Kollegen, die sein Andenken mit großem Respekt und Dankbarkeit bewahren. Sein Vermächtnis lebt in den zahlreichen Patientinnen und Patienten weiter, denen er mit seiner Arbeit Hoffnung und Heilung schenkte.

Das Klinikum St. Georg wird Dr. Thomas Raff ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Hintergrund:

Das Brandverletztenzentrum am Klinikum St. Georg blickt auf eine lange und bedeutsame Tradition in der Versorgung von Schwerbrandverletzten zurück, die bis in die 1970er-Jahre reicht. Ursprünglich war die Behandlung von Brandverletzungen Teil der Intensivtherapiestation der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des damaligen Bezirkskrankenhauses „St. Georg“.

Entstehung der ersten spezialisierten Station (1982–1993):

Im Jahr 1982 wurde die erste eigenständige Station für Brandverletzte (SfB) eröffnet. Diese war zunächst mit vier Betten (später fünf Betten) ausgestattet und erfüllte bereits damals internationale Standards. Die Station verfügte über klimatisierte Einzelzimmer, eine eigene OP-Einheit und spezielles Instrumentarium zur Behandlung schwerer Brandverletzungen.

Die Station diente vor allem Patientinnen und Patienten aus den südlichen Bezirken der DDR sowie später dem östlichen Teil des wiedervereinten Deutschlands. Zwischen 1982 und 1993 wurden hier 289 Brandverletzte behandelt.

Eine besondere Innovation war die Einrichtung einer Hautbank in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses, die eine kontinuierliche Versorgung mit Spenderhaut ermöglichte. Dies war ein bedeutender Fortschritt in der Verbrennungsmedizin, der die Behandlungsergebnisse entscheidend verbesserte.

Übergangszeit und die Eröffnung des neuen BVZ (1993–1998):

Nach einer fünfjährigen Übergangszeit unter der Leitung von PD Dr. M. Steen wurde 1998 das neue Brandverletztenzentrum (BVZ) unter der Leitung von Dr. Thomas Raff eröffnet. Mit der offiziellen Einrichtung als Zentrum wurde die frühere Begrenzung auf Patienten mit maximal 30 % verbrannter Körperoberfläche aufgehoben.

Das BVZ wurde nach neuesten medizinischen und baulichen Standards geplant und ist seitdem eines der größten und modernsten Zentren Deutschlands. Es bietet:

  • 6 Intensiv- und 6 IMC-Betten,
  • einen heizbaren Aufnahme- und Schockraum,
  • integrierte Hydrotherapie-Räume und
  • eine in die Station eingebaute OP-Einheit.

Mit insgesamt zwölf Betten ist es eines der größten Verbrennungszentren in Deutschland und das einzige SBVZ in Sachsen für Erwachsene. Im Jahr 2023 versorgte das BVZ 200 Patienten. Pro Monat werden ca. 300 OPs im Klinikum durchgeführt, inkl. der Verbandwechsel, die auch unter Narkose stattfinden müssen. Das Schwerbrandverletztenzentrum des Klinikums St. Georg gehört zu den besten Adressen in Deutschland mit einer äußerst geringen Sterblichkeitsrate im Verhältnis zur Schwere des Verbrennungsgrades.

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